Bald einheitliches Bezahlsystem für Stromtankstellen in der Schweiz?

Wie einer Pressemeldung von Alpiq und diversen Zeitungsartikeln zu entnehmen ist, planen die Konzerne Alipq, Siemens, Swisscom und die Zürich Versicherung, die Implementierung eines einheitlichen und ganzheitlichen Zugangs- und Abrechnungssystems für Stromtankstellen in der Schweiz.
Alpiq soll dabei für die Hardware zuständig sein, also für die Installation der Ladestationen. Alpiq hat ja als Partner von EVite bereits bewiesen, dass dies für sie keine grosse Herausforderung darstellt.
Die Software, die im Presseartikel "Integrierte Backend-Informationstechnik" genannt wird, wird Siemens liefern.
Alles was mit Kommunikation im weitesten Sinne zu tun hat liegt im Zuständigkeitsbereich von Swisscom Managed Mobility. Dabei geht es dann um "Vernetzung, Zugangs- und Abrechnungssystem sowie das Bezahlsystem", was für den Endkunden das Kernstück bzw. die Knacknuss darstellen dürft.
Zur Abrundung des Angebots erarbeitet die Zürich Versicherung ein Konzept für "Pannenhilfe und Abschleppdienst bei Problemen im Zusammenhang mit dem Lademechanismus".

Das System soll bereits ab Mitte 2015 erhältlich sein!

Ähnlich hochtrabende Komplettlösungen wurden bereits in der Vergangenheit im Ausland angekündigt. Jedoch wurden Sie schlussendlich nicht umgesetzt oder konnten sich am Markt nicht durchsetzen. Wenn sich ein neues solches System schlussendlich nur in einem beschränkten Bereich des Angebots durchsetzt, so führt dies eher zu einer Zersplitterung der Zugangssysteme und widerspricht eigentlich der intendierten "Einheitlichkeit".

Jedoch ist der Pressetext von Alpiq zu ungenau, um solche Ängste zu befeuern. Es ist nicht klar ersichtlich, ob die vier Akteure planen, ein eigens Bezahlsystem zu etablieren oder nur eine Plattform anbieten wollen, welche dann von beliebigen Anbietern von Ladeinfrastruktur genutzt werden und diese einfach vernetzen könnte.
In letzterem Fall würde also nicht unbedingt eine Konkurrenz für den aktuellen Platzhirsch MOVE erwachsen, sondern MOVE würde die Möglichkeit geboten das neue einheitliche System selbst zu nutzen und seinen eigenen Service damit auszubauen.

Gänzlich unerwähnt blieb die Infrastruktur Initiative EVite, welche im letzten Jahr erstmals richtig Fahrt aufgenommen hatte. Sie ist zwar ausdrücklich nicht Betreiber der Ladestationen, sondern verleiht nur eine Art Label aber es ist seit längerem bekannt, dass EVite ebenfalls auf der Suche nach einem geeigneten einheitlichen Abrechnungssystem ist. Bisher deutete vieles darauf hin, dass hier MOVE das Rennen machen könnte, inbesondere durch die an MOVE angeschlossenen EVite Säulen in Bursins VD und Grauholz BE. Allerdings werden die Karten nun durch die Ankündigung von Alpiq, Siemens, Swisscom und Zürich möglicherweise neu gemischt. Wir warten also gespannt auf eine diesbezügliche Kommunikation von EVite.

Quellen:

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Kommentare
28.11.2016 12:01
Weiter so mit Vollgas ins Chaos. Nur wenn es ein System zur Nutzung und Abrechnung gibt (die vielen Stecker sind schon Ärger genug) wirds praxistauglich. All die Anbieter sollen doch mal von Bezintankstelle zur anderen fahren ...